Was uns niemand sagt ... über künstliche Befruchtung

Maria Hechensteiner (37) aus Eppan ist Autorin des Buches „Orchideenblüten - Mein Weg zum Wunschkind.“ Sie kennt die Reproduktionsmedizin aus eigener Erfahrung und setzt sich für betroffene Paare ein.

 

F: Löst künstliche Befruchtung das Problem kinderloser Paare?

A: Leider nicht immer. Nur etwa die Hälfte der Paare kommt auf diese Weise zu einem Kind, und zwar meist erst nach mehreren Versuchen, denn die Erfolgsrate liegt pro Versuch bei zirka 13 Prozent.

 

F: Werden die Betroffenen über die Erfolgsaussichten informiert?

A: Das ist nicht im Interesse der Kliniken und der Pharmaindustrie. Ein Versuch kostet an die 3.500 Euro, egal wie er ausgeht. Da spricht man gegenüber den Patientinnen lieber nicht von der Rate der geborenen Kinder, sondern von der Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft eintritt. Dort liegen die Prozentsätze weit höher, weil die Behandlungen häufig zu Schwangerschaften führen, die dann in Fehlgeburten enden.

 

F: Sind die Behandlungen gefährlich?

A: Sie sind auf jeden Fall nicht zu unterschätzen. Die Frauen werden mit Hormonen vollgepumpt, was die Gefahr einer Überstimulation der Eierstöcke mit sich bringt. Die werden dann groß wie Orangen, schmerzen und müssen operiert, in seltenen Fällen sogar entfernt werden. Die Eizellen werden unter Vollnarkose entnommen. Eine Punktionsnadel durchsticht das Gewebe, um bis zu den Eierstöcken zu gelangen. Vergessen soll man auch die Langzeitgefahr eines Eierstockkrebses nicht.

 

F: Was halten Sie vom Gesetz 40/2004 über die künstliche Befruchtung?

A. Es ist grausam, weil es durch seine Einschränkungen die Erfolgschancen noch mehr sinken lässt. Da die Paare aber nicht einfach so auf die Erfüllung ihres Wunsches verzichten wollen, müssen sie mehr Behandlungen als bisher auf sich nehmen, um zum Wunschkind zu gelangen. Patientin ist übrigens immer die Frau, auch wenn das Problem beim Mann liegt. Deshalb ist das Gesetz frauenfeindlich.

 

F: Wie kann es zu so einem Gesetz kommen?

A: In unserem Parlament sitzen 90 Prozent Männer, für die „Frauengesundheit“ ein Fremdwort ist. Treibende Kraft bei der Ausarbeitung waren auch konservative Kräfte der katholischen Kirche, also wieder Männer. Ihnen ist das Wohl eines Zellhäufchens wichtiger als die Gesundheit erwachsener Frauen.

 

F: Wie werden Sie stimmen?

A: Bei den Fragen 2, 3 und 4 werde ich mit ja stimmen. Leider ist es so, dass die Abschaffung dieser Bestimmungen zwar Erleichterungen für die Frauen, gleichzeitig aber auch Hintertürchen für die Kliniken bringt, mehr in ihrem Bussiness-Interesse zu handeln. Ich stimme trotzdem mit ja und hoffe, dass die Frauen, die sich in Behandlung begeben, aufmerksam sind und bei jedem geplanten Schritt mitreden und mitentscheiden.

 

F: Wie stimmen Sie bei Frage 1?

A: Mit nein. Hier geht es um die Stammzellforschung; es handelt sich also nicht um ein unmittelbares Bedürfnis der Frauen. Die Forschung braucht Hunderttausende von Eizellen, wo soll sie die herbekommen? Und warum sollen sich wieder einmal die Frauen für die „Rettung der Menschheit“ aufopfern? Ob diese Forschungen wirklich einmal schwere Krankheiten heilen können, steht noch in den Sternen. Die Gefahr aber, dass Frauenkörper als Rohstofflieferanten für Forschungszwecke missbraucht werden, ist sehr groß.

 

F: Was können jene Paare machen, bei denen die künstliche Befruchtung versagt?

A: Vor allem nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern sich auf die Suche nach naturheilkundlichen Möglichkeiten begeben. Homöopathische Behandlungen haben schon vielen Frauen zu einer Schwangerschaft verholfen. Auch Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training sind hilfreich. Überhaupt würde ich allen Paaren raten, es zuerst mit Naturheilkunde zu versuchen und nur wenn diese nicht hilft, zur künstlichen Befruchtung überzugehen.

April 2005

Beitrag für die Internetseite der Frauenliste Enrosadira

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