Geld ist im Spiel

Das Referendum am 12. Juni ist angeblich auch zum Wohl von kinderlosen Frauen. Hilft es ihnen wirklich?

Die ungewollt kinderlosen Männer und Frauen sind zu den Prügelknaben und -mädchen der Nation geworden. Eine ganz üble Spezies, skrupellos, verkommen, wollen Kinder, auch gegen die Natur. Gehen mit moralisch ebenso verdorbenen Ärzten eine unheilige Allianz ein, wollen Gott ins Handwerk pfuschen. Bringen unser ethisches Weltbild durcheinander und bescheren uns Kopfzerbrechen über Präimplantationsdiagnostik und Stammzellforschung, die es ohne die Befruchtung außerhalb des Körpers ja nicht gäbe. Man muss ihre eigenen Kinder vor ihnen schützen! Die Kirche gibt es vor: Leben darf nur in der liebenden Umarmung zweier Menschen entstehen - Kinder aus Vergewaltigungen miteingeschlossen. Dass die Laborbabys zu den am meisten geliebten Kindern gehören, zählt nicht.

Aber es naht Hilfe. Eine engagierte Frauengruppe schlägt sich ebenso tapfer wie verzweifelt für ein Ja beim Referendum und vermittelt den Eindruck, dass sich mit der Beseitigung der Frauenfeindlichkeit des Gesetzes auch die Probleme der ungewollt kinderlosen Paare lösen. Ein dankbares Objekt sind sie ja, die Kinderlosen: bleiben im Dunkeln, melden sich nicht zu Wort, weil ihnen die Kraft für öffentliche Diskussionen fehlt. Mit solchen Menschen lässt sich trefflich Politik machen.

Es stimmt, dass dieses Gesetz gravierende Mängel aufweist. Die Gesetzgebung in anderen Ländern beweist es. So regeln auch Deutschland und Österreich die künstliche Befruchtung sehr streng. Beide verbieten Stammzellforschung und Präimplantationsdiagnostik. Sie räumen der befruchteten Eizelle aber nicht den gleichen Schutz wie geborenen Menschen ein. Auch erlauben beide das Einfrieren der befruchteten Eizellen und zumindest die Samenspende. Die so gezeugten Kinder haben in einem bestimmten Alter das Recht auf Information über ihren biologischen Vater.

Andere Länder, wie Großbritannien, Dänemark, Belgien, Spanien und ganz zu schweigen von den USA, handhaben die Materie liberaler und erlauben so ziemlich alles, was unser Gesetz verbietet. Nur: Haben diese Länder damit das Problem der ungewollten Kinderlosigkeit gelöst?

Die Antwort ist eindeutig nein. Die Schwangerschaftsraten sind lediglich etwas höher als bei uns. Hier liegt die wahre Schwachstelle der künstlichen Befruchtung: Die Erfolgsraten stagnieren seit Jahren. Auch nach mehreren Versuchen kommt bestenfalls die Hälfte der Paare zu einem Baby. In kaum einem medizinischen Bereich spielt die seelische Dimension eine so entscheidende Rolle für Erfolg oder Misserfolg. Während die künstliche Befruchtung in der Tierzucht schon zum Standard gehört, lässt der Mensch sich bei der Fortpflanzung anscheinend nicht auf seine Körperlichkeit reduzieren.

Die künstliche Befruchtung ist zu einer Maschinerie verkommen, die viele Hoffnungen weckt und wenige erfüllt. Wieder einmal ist viel Geld im Spiel, ganze Wirtschaftszweige leben vom Geschäft mit der Hoffnung. Die Zahl der Betroffenen wird hochgeschraubt, schneller als gedacht werden Paare zu Patientinnen und Patienten.

Wer ungewollt kinderlosen Menschen wirklich helfen will, beteiligt sich nicht nur am Referendum (als demokratische Pflicht und Akt der Solidarität eigentlich eine Selbstverständlichkeit), sondern setzt sich auch für eine qualifizierte psychologische Betreuung der Betroffenen, die Förderung und Verbreitung naturheilkundlicher Methoden und für Kinderbetreuungseinrichtungen und effiziente Familienpolitik ein, damit die Frauen schon in jüngeren Jahren Lust auf Kinder bekommen.

Nach dem Referendum werden die Kinderwunschpaare - egal wie es ausgeht - wieder in der Bedeutungslosigkeit versinken. Dabei würde die künstliche Befruchtung noch viel öffentliche Diskussion benötigen und die Betroffenen auch weiterhin unsere Hilfe und Solidarität - denn schließlich kennen wir alle welche, auch wenn wir es vielleicht nicht wissen.

Maria Hechensteiner, ehemalige Betroffene und Autorin des Buches "Orchideenblüten - Mein Weg zum Wunschkind", setzt sich für ungewollt kinderlose Paare ein.

Gastkommentar „ff“ vom 1. Juni 2005

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